Am 26.08.2025 wurde das THW Adelsheim durch die Stadt Walldürn zur Unterstützung der Seebelüftung in Gottersdorf alarmiert. Hintergrund der Alarmierung war der sinkende Sauerstoffgehalt des Sees und ein dadurch einsetzendes Fischsterben. Zusätzlich zum Ortsverband Adelsheim wurde auch die Fachgruppe Wasserschaden Pumpen des Ortsverbandes Eberbach alarmiert.
Vor Ort wurden in Summe 6 Pumpen entlang des Seeufers im Wasser positioniert. Die Pumpen saugen das Wasser an, damit dieses, dann wieder über eine Fontaine in den See zurück gefördert wird. Durch die Fontaine reichert sich das Wasser mit Sauerstoff an, und der Sauerstoffgehalt des Wassers steigt allmählich wieder. Somit konnte die Situation im ersten Schritt stabilisiert und das Fischsterben gestoppt werden.
In Abstimmung mit dem Team der Stadt Walldürn wurden weitere Maßnahmen durchgesprochen. Hierbei entschied man sich für eine Zwischenlösung um sich ausreichend Zeit zu verschaffen, um eine Lösung zu finden damit das Problem endgültig gelöst werden kann. Die derzeitige Zwischenlösung sind 4 ca. 2,5 m² große Lüfterplatten, welche im See positioniert werden müssen. Die Lüfterplatten werden über eine Schlauchleitung von einer Hochleistungsdruckluftpumpe mit Luft versorgt, so dass das Wasser mit Sauerstoff angereichert wird. In Abstimmung mit der Stadt Walldürn übernahm das THW den Aufbau der temporären Anlage.
Mit Inbetriebnahme der Zwischenlösung konnte auch der Rückbau des THW eigenen Materials stattfinden, so dass der Einsatz am Freitag, 29.08.2025 vor Ort erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Pressemeldung Stadt Walldürn:
Bericht zur aktuellen Situation am Gottersdorfer See
Stand 27.08.2025, 15 Uhr
Ausgangslage und erste Beobachtungen
Auf Hinweis von Bürgern wurde am 13. August an zwei Messpunkten Wasserproben entnommen. Dabei lagen die Sauerstoffwerte zwischen 5 mg/l und 8 mg/l und damit im unkritischen Bereich. Zum Vergleich: Kritisch wird es erst bei Werten unter 4 mg/l.
Der Pächter beobachtete in diesem Zeitraum ein verstärktes Algenwachstum.
Entwicklung ab dem 22. August und erste Maßnahmen
Der verringerte Sauerstoffgehalt im Gottersdorfer See fiel zunächst dem Pächter des Gewässers, dem Angelsportverein Gottersdorf e. V., auf. Bei einer Sichtkontrolle stellte er eine veränderte Färbung der Seeoberfläche fest und informierte am 22. August die Stadt Walldürn. In Absprache mit der Feuerwehr wurden daraufhin am 23. und 24. August erste Belüftungsmaßnahmen durch die Feuerwehrabteilung Gottersdorf umgesetzt.
Am Montag, den 25. August, übernahm die Feuerwehr Walldürn die Belüftung. Zeitgleich erfolgten erneute Probenentnahmen sowie eine Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis.
Am 26. August wurde die Belüftung zunächst durch den städtischen Bauhof im Dauerbetrieb fortgeführt, am Abend übernahm schließlich das Technische Hilfswerk (THW).
Aktuelle Situation und gemessene Werte
Die Sauerstoffwerte werden derzeit dreimal täglich an drei Messpunkten erfasst und an die Untere Wasserbehörde gemeldet. Insgesamt zeigt sich eine positive Entwicklung:
• Montag, 25.08.2025: Durchschnittlich 3,4 mg/l
• Dienstag, 26.08.2025: Durchschnittlich 3,5 mg/l
• Mittwoch, 27.08.2025: Durchschnittlich 4,4 mg/l
Die Belüftung des Sees erfolgt aktuell ausschließlich durch das THW. Feuerwehr und Bauhof sind nicht mehr aktiv beteiligt.
Die Dauer der Maßnahme lässt sich derzeit nicht exakt prognostizieren. Nach aktueller Einschätzung wird sie etwa eine Woche andauern.
Fischsterben und Bestandseinschätzung
Bis zum jetzigen Zeitpunkt (27.08.2025, 15:00 Uhr) wurden geschätzt 520 kg Fische aus dem Gottersdorfer See entnommen. Die Zahl wirkt hoch, lässt sich jedoch dadurch erklären, dass es sich überwiegend um große, schwere Fische handelt. Von den größeren Fischen wurden rund 50 Stück geborgen. Empfindliche Arten wie Zander haben das Sauerstoffdefizit nicht überlebt, während Karpfenarten wie Spiegel- und Schuppenkarpfen unversehrt geblieben sind.
Seit Dienstagnachmittag wurden keine weiteren verendeten Fische festgestellt. Nach Einschätzung des Angelsportvereins leben im See weiterhin weit über das Zehnfache der bisher geborgenen Menge. Genaue Zahlen können nicht genannt werden, da eine Zählung im offenen Gewässer nicht möglich ist.
Ursachen und weitere Untersuchungen
Es werden derzeit Analysen durchgeführt, um die Ursache für den niedrigen Sauerstoffgehalt zu klären. Da noch keine gesicherten Ergebnisse vorliegen, wird die Stadt Walldürn keine Spekulationen veröffentlichen. Ziel ist es, ausschließlich auf bestätigte Fakten zu kommunizieren.
Weitere Schritte
Die Stadt Walldürn arbeitet eng mit dem Landratsamt, der Unteren Wasserbehörde, dem Angelsportverein sowie den Einsatzkräften zusammen. Die oberste Priorität liegt auf der Stabilisierung des Sauerstoffgehalts und der Schadensbegrenzung. Langfristige Maßnahmen werden nach Abschluss der Auswertung festgelegt.
Eigentumsverhältnis
Die Stadt Walldürn ist Eigentümerin des Gottersdorfer Sees. Das Fischereirecht liegt beim Angelsportverein Gottersdorf e. V., der als Pächter für den Fischbestand zuständig ist.
Statement des Bürgermeisters
„Wir nehmen die Situation am Gottersdorfer See sehr ernst. Gemeinsam mit der Feuerwehr Walldürn, dem Technischen Hilfswerk, unserem Bauhof und den Fachstellen des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis setzen wir derzeit alles daran, den Sauerstoffgehalt im Wasser zu stabilisieren und weitere Schäden zu verhindern. Ich stehe trotz meines Urlaubs in engem Austausch mit meiner Verwaltung, dem Kreisbrandmeister und den Fachbehörden. Mein erster Bürgermeisterstellvertreter Fabian Berger ist vor Ort, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Wir beobachten die Situation laufend und informieren die Öffentlichkeit, sobald neue Erkenntnisse vorliegen.“